Inhaltsverzeichnis
- Hamburg und monatliche Eigenanteile
- Bundesländer und Kostenvergleich
- Ulrike Elsner und Reformforderungen
- Kathrin Herbst und Entlastungspotenziale
- Deutsche Stiftung Patientenschutz und Zahlen
- Entlastungszuschläge und Pflegekassen
Hamburg und monatliche Eigenanteile
Seit dem 1. Januar 2026 müssen Pflegebedürftige in Hamburg im ersten Jahr im Heim monatlich 3.284 Euro aus eigener Tasche zahlen. Das ergab eine Analyse des Verbandes der Ersatzkassen. Der Betrag liegt um 105 Euro über dem Stand vom 1. Juli 2025 und um 342 Euro über dem Niveau zu Beginn des Jahres 2025. Innerhalb von zwölf Monaten stieg der Eigenanteil damit um fast 12 Prozent, womit Hamburg leicht über dem Bundesdurchschnitt liegt. Als Hauptursache gelten gestiegene Personalkosten in der Pflege.
Bundesländer und Kostenvergleich
In den genannten Summen ist der Eigenanteil für Pflege und Betreuung enthalten, da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten übernimmt. Zusätzlich fallen Ausgaben für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen sowie Umlagen für Ausbildungskosten an. Im Ländervergleich ist Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro pro Monat am teuersten, gefolgt vom Saarland mit 3.601 Euro. Hamburg liegt ebenfalls im oberen Bereich, ähnlich wie bei der Entwicklung, dass Hamburgs Mieten weiter steigen. Am niedrigsten ist die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro, während Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen jeweils 2.903 Euro erreichen. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 3.245 Euro pro Monat.
Ulrike Elsner und Reformforderungen
Die Vorstandsvorsitzende des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, sieht strukturelle Defizite in der Pflegefinanzierung. Sie forderte eine nachhaltige Finanzierung, die Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlastet. Investitions- und Ausbildungskosten seien Aufgaben des Staates und sollten nicht von den Bewohnerinnen und Bewohnern getragen werden. „Wir fordern die Bundesländer auf, diese Kosten endlich zu übernehmen“, sagte Elsner. Die schwarz-rote Koalition plant für dieses Jahr eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung.
Kathrin Herbst und Entlastungspotenziale
Auch aus Hamburg kommt deutliche Kritik. Kathrin Herbst, Leiterin der Hamburger Landesvertretung des vdek, begrüßte höhere Löhne für Pflegekräfte, betonte jedoch, dass Pflegebedürftige den Großteil der Mehrkosten derzeit selbst tragen müssen. Nach ihren Angaben könnten Pflegebedürftige monatlich deutlich entlastet werden, wenn das Bundesland Hamburg seine Zusagen umsetzt. Eine Übernahme der Investitionskosten würde eine Ersparnis von 571 Euro im Monat bringen, die Übernahme der Ausbildungskosten weitere 195 Euro.
Deutsche Stiftung Patientenschutz und Zahlen
Kritik äußerte auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Vorstand Eugen Brysch verwies auf rund 14.000 Pflegeheimbewohnerinnen und Pflegeheimbewohner in Hamburg. Er erklärte, dass die Eigenanteile trotz erhöhter Zuschüsse seit 2024 um rund 38 Prozent gestiegen seien. Nach seiner Aussage dürfe sich der rot-grüne Senat bei der Finanzierungspflicht nicht länger aus der Verantwortung ziehen. Nur Kosten für Unterbringung, Verpflegung und überdurchschnittlichen Komfort sollten weiterhin privat gezahlt werden, während Entlastungsinstrumente wie der Hamburger Härtefallfonds weiterhin kritisch bewertet werden.
Entlastungszuschläge und Pflegekassen
Die tatsächliche finanzielle Belastung hängt auch von der Aufenthaltsdauer im Pflegeheim ab. Pflegekassen gewähren gestaffelte Entlastungszuschläge auf den Pflegeanteil, die im ersten Jahr 15 Prozent, im zweiten Jahr 30 Prozent, im dritten Jahr 50 Prozent und ab dem vierten Jahr 75 Prozent betragen. Grundlage der Berechnungen sind Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern. Zum Ersatzkassenverband zählen unter anderem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit.
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FAQ
Warum steigen die Pflegekosten in Hamburg so stark?
Die Pflegekosten steigen vor allem wegen höherer Personalkosten in der Pflege. Zusätzlich müssen Pflegebedürftige weiterhin Investitions- und Ausbildungskosten tragen, die nicht vollständig von der Pflegeversicherung oder dem Staat übernommen werden.
Wie hoch ist der monatliche Eigenanteil im ersten Jahr im Pflegeheim in Hamburg?
Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der monatliche Eigenanteil im ersten Jahr im Pflegeheim in Hamburg 3.284 Euro. Damit liegt die Stadt leicht über dem Bundesdurchschnitt.
Welche Bundesländer haben niedrigere Pflegekosten als Hamburg?
Geringere monatliche Belastungen im ersten Jahr im Pflegeheim gibt es unter anderem in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit jeweils 2.903 Euro.
Welche Entlastungen fordert Ulrike Elsner für Pflegebedürftige?
Ulrike Elsner fordert, dass die Bundesländer die Investitions- und Ausbildungskosten übernehmen. Diese Maßnahmen sollen Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen finanziell deutlich entlasten.
Wie funktionieren die Entlastungszuschläge der Pflegekassen?
Die Pflegekassen gewähren gestaffelte Zuschläge auf den Pflegeanteil. Diese betragen 15 Prozent im ersten Jahr, 30 Prozent im zweiten Jahr, 50 Prozent im dritten Jahr und 75 Prozent ab dem vierten Jahr im Pflegeheim.
Quelle: WELT, SN2 WORLD