Inhaltsverzeichnis:
- Ergebnisse der Universität Göttingen
- Belastung und Verstöße gegen Arbeitsschutz
- Forderungen der Gewerkschaft
- Reaktion der Schulbehörde
Ergebnisse der Universität Göttingen
Laut Studienleiter Frank Mußmann beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit einer Vollzeitstelle 41 Stunden und 56 Minuten. Bezogen wurde dabei auf die tarifliche oder beamtenrechtliche 40-Stunden-Woche. Insgesamt dokumentierten 63 Prozent der Befragten regelmäßige Mehrarbeit.
Die Untersuchung basierte auf den Daten von 735 Lehrkräften im zweiten Schulhalbjahr 2023/2024. Teilgenommen haben Lehrkräfte aus 67 Stadtteilschulen und 65 Gymnasien. Erfasst wurden sowohl Tätigkeiten an Schultagen als auch Arbeit an Abenden und Wochenenden.
Belastung und Verstöße gegen Arbeitsschutz
Besonders auffällig ist der Befund, dass ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten während der Schulzeit mehr als 48 Stunden pro Woche arbeitet. Damit wird die gesetzliche Höchstgrenze überschritten. Zu den Hauptursachen zählen:
- fehlende Zeitbudgets für Leitungstätigkeiten
- zusätzliche Aufgaben wie Digitalisierung und Medienbildung
- regelmäßig anfallende Vor- und Nachbereitung
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht hierin ein strukturelles Problem und spricht von einem klaren Verstoß gegen den Arbeitsschutz.
Forderungen der Gewerkschaft
Der GEW-Vorsitzende Sven Quiring bezeichnet die Studie als „Realitätscheck für das Hamburger Planungsmodell“. Die Gewerkschaft fordert:
- 350 zusätzliche Vollzeitstellen
- eine verbindliche Arbeitszeiterfassung
- eine Reform der Lehrerarbeitszeitverordnung von 2003
- Konzepte für altersgerechtes Arbeiten und klare Zeitbudgets
Nach Ansicht der GEW fehlen systematisch zwei Stunden pro Woche, während neue Aufgaben auf mehr als zehn Stunden anwachsen.
Reaktion der Schulbehörde
Die Schulbehörde unter Senatorin Ksenija Bekeris (SPD) weist die Forderungen zurück. Sprecher Peter Albrecht verweist auf die seit 2011 geschaffenen 6500 zusätzlichen Stellen an allgemeinbildenden Schulen, was einem Zuwachs von 35 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 24 Prozent.
Laut Albrecht bedeuten die ermittelten Überstunden im Schnitt nur 27 Stunden pro Lehrkraft und Jahr. Eine Reform des Arbeitszeitmodells würde hunderte neue Stellen und bis zu 100 Millionen Euro Mehrkosten jährlich erfordern.
Stattdessen setzt die Behörde auf Entlastungsmaßnahmen wie das Projekt Personalgesundheit und den Ausbau der Schulsozialarbeit. Zum Schuljahr 2025/26 wurden 102 neue Stellen in diesem Bereich geschaffen, unterstützt durch Investitionen von 7,2 Millionen Euro jährlich.
Die Studie offenbart einen deutlichen Unterschied zwischen offizieller Planung und realer Belastung. Während Lehrkräfte und Gewerkschaften von strukturellem Mehrarbeitsdruck sprechen, verweist die Schulbehörde auf eigene Fortschritte und begrenzte Finanzmittel. Die Diskussion um die Arbeitszeitregelungen bleibt damit in Hamburg weiter offen.
Quelle: WELT, www.milekcorp.com/de/