Dienstag, 24 Februar 2026 17:42

Hamburg ersetzt Norderelbbrücken

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Sechs Gleise über die Elbe gegen das Nadelöhr. Sechs Gleise über die Elbe gegen das Nadelöhr. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Hamburg plant den vollständigen Austausch der Norderelbbrücken der Bahn. Täglich nutzen rund 660 Züge diese Verbindung. Die Bauwerke gelten als technisch überaltert. Gleichzeitig soll die Zahl der Gleise von 4 auf 6 steigen. Das Projekt betrifft einen der wichtigsten Verkehrsknoten Norddeutschlands. Die bestehenden Überbauten stammen aus dem Jahr 1926, die Widerlager sogar aus 1870. Damit erreichen zentrale Elemente ein Alter von bis zu 156 Jahren. Der Senat und die Deutsche Bahn sprechen von einem der größten Infrastrukturvorhaben der Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Anjes Tjarks und Hamburger Rathaus

Anjes Tjarks bezeichnete das Vorhaben im Rathaus als „Jahrhundertchance“. Er erklärte, es sei das erste Mal seit fast 100 Jahren möglich, zusätzliche Fernbahngleise über die Elbe zu legen.

Mit dem Ausbau auf sechs Gleise soll ein überregionales Nadelöhr beseitigt werden. Nördlich der Elbe existieren bereits 6 Gleise für Fern-, Regional- und Güterverkehr. Südlich verengt sich die Strecke bisher auf 4. Die Auslastung liegt bei rund 140 Prozent. Vergleichbare Engpässe im Schienenverkehr wurden zuletzt bei den Problemen auf der Berliner Stadtbahn deutlich.

Wichtige Kennzahlen im Überblick

  • 660 Züge pro Tag
  • 4 bestehende Gleise, künftig 6
  • Bauzeit von etwa 7 Jahren
  • Kosten oberhalb von 1 Milliarde Euro

Weitere Informationen zur Infrastrukturpolitik des Bundes finden sich beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr.

Ute Plambeck und Deutsche Bahn

Ute Plambeck beschreibt das Bauverfahren als „Brücken-Tetris“. Ein Abriss ohne Ersatz ist ausgeschlossen. Der Bahnverkehr darf nicht unterbrochen werden.

Zwei provisorische Bahnbrücken entstehen zunächst am Standort der heutigen Freihafenelbbrücke. Danach werden die alten Überbauten demontiert. Anschließend verschiebt man die Provisorien in ihre endgültige Lage. Erst dann beginnt der Bau der dritten neuen Brücke.

Für den Verschub sind Sperrpausen vorgesehen. Jede Brücke soll für jeweils 3 Wochen gesperrt werden. Insgesamt kalkuliert die Bahn mit 7 Jahren Bauzeit. Ein Baustart in den frühen 2030er-Jahren gilt als wahrscheinlich. Parallele Großprojekte wie das Großprojekt hinter dem Hotel Berlin zeigen, wie komplex städtische Planungen verlaufen können.

Parallel prüfte man die Sanierung einer historischen Brücke. Das Ergebnis fiel negativ aus. Der 100 Jahre alte Stahl gilt technisch und wirtschaftlich als nicht ertüchtigungsfähig für weitere 100 Jahre.

Franz-Josef Höing und Elbquerungen

Franz-Josef Höing betonte den städtebaulichen Anspruch. Die neuen Bauwerke sollen sich in das bestehende Ensemble der Elbquerungen einfügen. Sie dürfen nicht dominieren.

Ausgewählt wurde ein Entwurf eines Konsortiums aus Hamburger und belgischen Architekten. Die geplanten Brücken greifen die Bogenform der bestehenden S-Bahn-Brücke sowie der wiederherzustellenden Freihafenelbbrücken auf. Die heutigen Elbbrücken stehen als Ensemble unter Denkmalschutz.

Rudolf Bergen und Freihafenelbbrücke

Die Hamburg Port Authority bestätigte neue Schritte zur Freihafenelbbrücke. Nach einem Schiffsunfall bleibt sie dauerhaft außer Betrieb. Der Abriss soll noch 2026 beginnen.

Rudolf Bergen erklärte, das Mittelteil sei so stark beschädigt, dass keine zusätzliche Last möglich sei. Eine Nutzung für Fuß- oder Radverkehr scheide aus. Zwar bestehe keine akute Einsturzgefahr. Doch die Tragfähigkeit lasse sich nicht verlässlich bestimmen. Hinweise zu anderen verkehrsrelevanten Vorfällen finden sich hier.

Politische Kritik kommt aus der Opposition. Philipp Heißner erklärte, der Ersatzneubau komme voran, jedoch nicht zügig genug. Er verwies darauf, dass bislang lediglich ein Planungswettbewerb stattgefunden habe. Der geplante Baubeginn in den 2030er-Jahren sei für diese zentrale Verkehrsachse deutlich zu spät.

Mit dem Ersatzneubau und der Erweiterung auf sechs Gleise soll Hamburg eine der wichtigsten Schienenverbindungen Norddeutschlands langfristig sichern.

FAQ

Warum müssen die Norderelbbrücken in Hamburg ersetzt werden?

Die bestehenden Überbauten stammen aus dem Jahr 1926, die Widerlager sogar aus 1870. Der rund 100 Jahre alte Stahl gilt technisch und wirtschaftlich als nicht ertüchtigungsfähig für die kommenden Jahrzehnte.

Wie viele Züge nutzen täglich die Strecke über die Norderelbe?

Täglich rollen rund 660 Züge über die Norderelbbrücken. Die Strecke ist derzeit mit etwa 140 Prozent überlastet.

Wie viele Gleise soll die neue Brückenkonstruktion haben?

Die Zahl der Gleise wird von bisher 4 auf künftig 6 erhöht. Damit soll das bestehende Nadelöhr im überregionalen Bahnverkehr beseitigt werden.

Wie lange dauert der Bau der neuen Bahnbrücken?

Die Deutsche Bahn rechnet aktuell mit einer Bauzeit von etwa 7 Jahren. Der Baubeginn gilt in den frühen 2030er-Jahren als wahrscheinlich.

Warum wird die Freihafenelbbrücke vollständig abgerissen?

Nach einem Schiffsunfall ist das Mittelteil so stark beschädigt, dass keine zusätzliche Last möglich ist. Eine Nutzung für den Fuß- oder Radverkehr wurde ausgeschlossen. Der Abriss soll noch 2026 beginnen.

Quelle: WELT, WEBRIVAIG