Donnerstag, 15 Januar 2026 20:44

Bezahlbarer Wohnraum unter Druck

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Sozialwohnungen bleiben in vielen Regionen knapp. Sozialwohnungen bleiben in vielen Regionen knapp. Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum bleibt 2024 eines der wichtigsten sozialen Themen in Deutschland. Neue Daten zur Armutsgefährdung und zum Bestand an Sozialwohnungen zeigen deutliche regionale Unterschiede. Besonders Norddeutschland steht im Fokus aktueller Auswertungen. Die Zahlen basieren auf dem Sozialen Wohn-Monitor des Pestel-Instituts aus Hannover, der gemeinsam mit dem Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ in Berlin vorgestellt wurde. Bundesweit galten 2024 rund 13.589.000 Menschen als armutsgefährdet. Sie lebten in etwa 6.780.000 Haushalten. Parallel dazu lag der Bestand an Sozialwohnungen bei 1.047.861 Einheiten. Diese Daten verdeutlichen den strukturellen Druck auf den Mietwohnungsmarkt.

Inhaltsverzeichnis

Niedersachsen und Pestel-Institut Hannover

Niedersachsen nimmt in der Untersuchung eine zentrale Rolle ein. 2024 gab es dort 50.500 Sozialwohnungen. Ihr Anteil an allen Mietwohnungen lag bei 2,5 Prozent. Damit blieb das Land deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Zwar entstehen jährlich neue geförderte Wohnungen, gleichzeitig laufen jedoch zahlreiche Sozialbindungen aus.

Der Bestand hat sich laut Studie in den vergangenen Jahren kontinuierlich verringert. Der Wohn-Monitor des Bündnisses „Soziales Wohnen“ prognostiziert für Niedersachsen einen Bedarf von 168.500 Sozialwohnungen im Jahr 2035. Die Lücke zwischen aktuellem Bestand und künftigem Bedarf ist erheblich.

Mecklenburg-Vorpommern und soziale Wohnungsbindung

Noch geringer ist das Angebot in Mecklenburg-Vorpommern. 2024 waren dort rund 2.600 Sozialwohnungen vorhanden. Ihr Anteil an allen Mietwohnungen betrug lediglich 0,5 Prozent. Damit weist das Land den niedrigsten Wert im Bundesvergleich auf.

Im selben Jahr entstanden 593 neue Sozialwohnungen, während bei 404 Wohnungen die Sozialbindung auslief. Der Zuwachs blieb damit begrenzt. Für 2035 wird ein Bedarf von bis zu 44.600 bezahlbaren Wohnungen prognostiziert. Die Zahlen verdeutlichen die strukturelle Unterversorgung.

Schleswig-Holstein und erleichtertes Bauen

Schleswig-Holstein weist im Vergleich ein größeres Angebot auf. 2024 gab es etwa 47.700 Sozialwohnungen. Das entsprach sechs Prozent aller Mietwohnungen und lag damit über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch reicht der Bestand langfristig nicht aus.

Nach Berechnungen des Wohn-Monitors werden 2035 rund 67.400 Sozialwohnungen benötigt. Das Bündnis „Soziales Wohnen“ hebt zugleich positive Ansätze hervor. Durch den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ können neue Sozialwohnungen in guter Qualität und zu niedrigeren Kosten entstehen.

Hamburg und Verbändebündnis Soziales Wohnen

Hamburg nimmt eine Sonderstellung ein. 2024 verfügte die Stadt über 79.400 Sozialwohnungen. Ihr Anteil an allen Mietwohnungen lag bei zehn Prozent. Damit erreichte Hamburg einen Wert, der doppelt so hoch war wie der Bundesdurchschnitt.

In den vergangenen Jahren wurde dort intensiv gebaut. Dennoch laufen auch in Hamburg jährlich zahlreiche Sozialbindungen aus. Das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ fordert deshalb von Bund und Ländern zusätzliche Anstrengungen beim Neubau. Hintergrund ist auch die demografische Entwicklung mit dem Eintritt der Boomer-Generation in den Ruhestand.

Armutsgefährdung und Sozialwohnungen im Überblick

Die folgenden Daten zeigen die Armutsgefährdungsquote, die Zahl der betroffenen Einwohner und Haushalte sowie den Bestand an Sozialwohnungen nach Bundesländern im Jahr 2024.

BundeslandArmutsgefährdungsquote in ProzentBetroffene EinwohnerBetroffene HaushalteBestand an Sozialwohnungen
Bremen 19,7 139.000 70.000 6.239
Hamburg 19,5 363.000 191.000 79.424
Berlin 19,1 704.000 383.000 92.372
Nordrhein-Westfalen 17,8 3.209.000 1.588.000 409.286
Saarland 17,6 178.000 88.000 826
Schleswig-Holstein 17,3 512.000 259.000 47.721
Hessen 17,2 1.080.000 526.000 82.643
Niedersachsen 16,6 1.329.000 664.000 50.495
Rheinland-Pfalz 16,6 686.000 338.000 35.552
Baden-Württemberg 15,1 1.700.000 802.000 54.634
Bayern 15,1 2.001.000 977.000 134.216
Sachsen-Anhalt 15,1 322.000 174.000 5.712
Mecklenburg-Vorpommern 14,1 222.000 122.000 2.632
Brandenburg 13,4 343.000 177.000 20.598
Thüringen 13,1 275.000 140.000 11.718
Sachsen 13,0 526.000 281.000 13.793
Deutschland gesamt - 13.589.000 6.780.000 1.047.861

Die Kombination aus hoher Armutsgefährdung und begrenztem Sozialwohnungsbestand prägt 2024 die Lage in allen Bundesländern. Die regionalen Unterschiede sind deutlich, der strukturelle Handlungsbedarf bleibt bestehen.

Quelle: NDR, WEBRIVAIG

FAQ

Was bedeutet Armutsgefährdungsquote in Deutschland?

Die Armutsgefährdungsquote beschreibt den Anteil der Bevölkerung, dessen Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent des Medianeinkommens liegt. 2024 galten in Deutschland rund 13.589.000 Menschen als armutsgefährdet.

Wie viele Sozialwohnungen gab es 2024 bundesweit?

Im Jahr 2024 lag der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland bei 1.047.861 Einheiten. Diese Zahl steht einer hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum gegenüber.

Warum ist die Lage in Niedersachsen besonders angespannt?

Niedersachsen verfügte 2024 über 50.500 Sozialwohnungen, was nur 2,5 Prozent aller Mietwohnungen entspricht. Gleichzeitig prognostiziert der Wohn-Monitor einen Bedarf von 168.500 Sozialwohnungen im Jahr 2035.

Welche Rolle spielt Mecklenburg-Vorpommern beim sozialen Wohnungsbau?

Mecklenburg-Vorpommern wies 2024 mit 2.600 Sozialwohnungen den niedrigsten Bestand im Bundesvergleich auf. Ihr Anteil lag bei lediglich 0,5 Prozent aller Mietwohnungen.

Warum gilt Schleswig-Holstein als Beispiel für kostengünstigen Wohnungsbau?

Schleswig-Holstein nutzte den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“. Dadurch konnten Sozialwohnungen in guter Qualität und zu niedrigeren Kosten errichtet werden. 2024 gab es dort 47.700 Sozialwohnungen.

Was macht Hamburg zum Spitzenreiter beim sozialen Wohnungsbau?

Hamburg verfügte 2024 über 79.400 Sozialwohnungen. Ihr Anteil betrug zehn Prozent aller Mietwohnungen und lag damit doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt.

Welche Bedeutung hat das Bündnis „Soziales Wohnen“?

Das Bündnis „Soziales Wohnen“ erstellt gemeinsam mit dem Pestel-Institut den Wohn-Monitor. Es fordert von Bund und Ländern mehr Neubau von bezahlbarem Wohnraum, um den steigenden Bedarf zu decken.